Weißt DU noch, warum du angetreten bist?

Herbstlicher Waldweg mit zwei langen Schatten und dem Schriftzug „Weißt du noch, warum du angetreten bist?“

„Haben Sie eigentlich gerne Erfolg?“

Ich saß in einem Vorstellungsgespräch.

Die Frage überraschte mich und gleichzeitig antwortete ich einfach: „Ja.“

Mein Gegenüber lächelte und fragte weiter:

„Wie definieren Sie Erfolg?“

Ich überlegte kurz und sagte dann: „Menschen in ihrer Entwicklung begleiten. Miterleben, wie sie wachsen. Wie sie sich mit ihrem Sinn verbinden. Wie sie ihren Platz finden und ihr Potenzial entfalten. Das ist für mich Erfolg.“

Als ich das Gespräch verließ, wusste ich noch nicht, ob ich die Stelle bekommen würde.

Ich wusste nur eines: Dieses Gespräch hat sich gelohnt.

Weil es mich an mein WARUM erinnert, an das, was mich antreibt.

Damals ahnte ich nicht, dass ich die nächsten fünfzehn Jahre genau in diesem Unternehmen verbringen würde. Und dafür bin ich bis heute dankbar.

Die Tage wurden voller. Der Sinn leiser.

Es waren intensive Jahre.

Ich durfte gestalten, mit Menschen arbeiten, Projekte entwickeln, Teams und Mitarbeitende begleiten, Teilnehmende betreuen, Verantwortung übernehmen und habe mich dadurch auch selbst weiterentwickelt.

Aus der Sozialarbeit führte mein Weg Schritt für Schritt in die Projektentwicklung, Personalentwicklung und schließlich hin zur Betriebsleitung mit Prokura.

Ich liebte diese Zeit.

Ich durfte Ideen verwirklichen, Menschen fördern und Entwicklungen begleiten.

Genau dafür war ich angetreten.

Und gleichzeitig veränderte sich etwas langsam und stetig, beinahe unbemerkt.

Die Aufgaben veränderten sich. Völlig normal, wenn man eine neue Position annimmt. Aus Begleitung wurden Anwesenheitslisten, aus Förderung des Menschen wurde Förderplanung auf dem Papier, Maßnahmeberichte, Meetings, Personalgespräche, Projektzahlen, Organisation.

All das gehört natürlich dazu und gab allen Vorhaben auch einen Rahmen.

Bis die Kippwirkung einsetzte und der administrative Aufwand die Arbeit mit und für Menschen überstieg und das Volumen die Grenzen des Machbaren sprengten.

Mit jeder neuen Aufgabe kamen weitere Aufgaben hinzu.

Immer mehr E-Mails, Telefonate, Besprechungen, Regularien und irgendwo dazwischen warteten Menschen.

Es war Zeit, genauer hinzusehen.

Das Verrückte daran ist:

Ich habe meinen Beruf geliebt.

Ich habe meine Kolleginnen und Kollegen geschätzt.

Ich habe Verantwortung gerne übernommen.

Es ist keine Geschichte von Unzufriedenheit.

Es ist eine Geschichte von Veränderung.

Nach und nach nahm der organisatorische Teil immer mehr Raum ein.

Der Mensch rückte ein Stück weiter nach hinten.

Und irgendwann stellte sich in mir eine leise Frage. Wo ist der Sinn geblieben?

Mein Körper hörte früher hin als ich

Er schickte mir Schmerzen, um meine Aufmerksamkeit zu erregen. Ich ließ mich untersuchen. Eines Tages kam ich aus einem MRT. Die Untersuchung selbst war unspektakulär. Die Ergebnisse gaben keinen Anlass zur Sorge. Ich ging zu meinem Auto und plötzlich wusste ich:

Ich kann nicht mehr.

Ich rief den jungen Mann an, der damals in meinem Vorzimmer arbeitete.

„Bitte sag meine Termine ab. Ich komme heute nicht mehr.“

Danach informierte ich meine Chefin und fuhr nach Hause.

Ich war erschöpft. Leer. Müde.

Mein Körper hatte lange vorher begonnen, mit mir zu sprechen. Ich habe ihn vertröstet, ihm immer wieder zu verstehen gegeben „Ich kann jetzt nicht. Ich habe keine Zeit, ich kümmere mich später darum.“

Unser WARUM ist da, auch wenn wir nicht hinhören

Mir wurde bewusst, dass mein WARUM noch immer da war und dass meine Haltung und meine Werte mich leiten. Wenn ich sie missachte, werden sie zunächst immer leiser, ziehen sich zurück, melden sich nur noch zaghaft, zwischen zwei Meetings, auf dem Heimweg, oder während ich mit dem Hund spazieren gehe.

Aber sie werden nie ganz still. Sie wirken weiter, suchen neue Wege, sich bemerkbar zu machen, durch Anspannung, Schlaflosigkeit, Schmerzen, das Gefühl, keinen klaren Gedanken mehr fassen zu können.

Kennst du das? Was ist es bei dir?

Das WARUM wartet, es ist immer da. Es wartet darauf, dass du wieder hinhörst, wahrnimmst, still wirst. Und plötzlich fragst du dich:

„War das eigentlich der Grund, warum ich einmal angetreten bin?“

Veränderung beginnt mit Erinnerung

Wenn ich heute Menschen begleite, stelle ich häufig ähnliche Fragen wie damals Achim.

Nicht, weil ich Antworten vorgeben möchte.

Sondern weil gute Fragen erinnern.

Sie erinnern daran, was uns einmal wichtig war.

Wofür wir Verantwortung übernehmen wollten.

Was uns lebendig macht. Was uns Sinn gibt.

Und manchmal genügt genau diese Erinnerung, damit Menschen ihren nächsten Schritt sehen.

Nicht, weil sich im Außen sofort alles verändert.

Sondern weil im Inneren wieder Verbindung entsteht.

Zu sich selbst. Zu den eigenen Werten. Zum eigenen Warum.

Vielleicht erinnert sich gerade jetzt eine leise Stimme in dir?

Vor vielen Jahren stellte mir ein Betriebsleiter im Vorstellungsgespräch eine einfache Frage:

„Wie definieren Sie Erfolg?“

Diese Frage begleitet mich bis heute.

Vielleicht gibt es auch in deinem Leben eine solche Frage. Oder einen Satz. Oder einen Menschen, der dich inspiriert, gesehen, tief berührt hat.

Etwas, das dich daran erinnert, warum du angetreten bist.

Vielleicht braucht es keine große Veränderung.

Vielleicht genügt es, dieser Stimme einfach mal wieder einen Moment zuzuhören.

Ein Moment für dich

Bevor du weiterklickst oder zum nächsten Termin gehst, halte für zwei Minuten inne.

Nimm ein Blatt Papier oder öffne die Notizen auf deinem Handy und beantworte nur diese drei Fragen:

  • Warum bin ich damals angetreten?
  • Wofür verwende ich heute den größten Teil meiner Energie?
  • Was ist der kleinste Schritt, der mich meinem ursprünglichen Warum wieder ein Stück näherbringt?

Du musst heute nichts verändern.

Vielleicht genügt es, dich wieder daran zu erinnern.

Mich interessiert deine Geschichte.

Gab es in deinem Berufsleben eine Frage, einen Satz oder einen Menschen, der dich bis heute begleitet?

Wenn du magst, teile ihn gerne mit mir in einer Nachricht. Ich freue mich darauf, von dir zu lesen.