Wie möchtest du begrüßt werden, wenn du irgendwo neu ankommst?
Herzlich und persönlich?
Kurz und unkompliziert?
Mit ein paar Informationen, damit du weißt, was dich erwartet?
Oder denkst du darüber überhaupt nicht nach?
Genau mit dieser Frage begann für mich bereits die praktische Vorbereitung meines Workshops.
Noch bevor die Teilnehmenden den Seminarraum betraten, hatte ich entschieden, sie einzeln zu begrüßen.
Jede Person bekam Zeit anzukommen, sich einzutragen, ein Namensschild zu beschriften und sich einen Platz zu suchen.
Auf jedem Platz lagen vier Karten:
Die Begrüßung war für mich …
- genau richtig.
- eher zu kurz.
- eher zu ausführlich.
- darüber habe ich nicht nachgedacht.
Meine Idee dahinter war zu verdeutlichen:
Menschen erleben dieselbe Situation unterschiedlich.
Was die eine Person als herzlich empfindet, kann einer anderen schon zu viel sein.
Was für mich angenehm klar und knapp ist, kann auf mein Gegenüber kühl wirken.
Während der eine möglichst schnell eine Lösung möchte, braucht die andere erst einmal Raum, um zu erzählen.
Genau solche Unterschiede begegnen uns jeden Tag.
Am Empfang.
Im Team.
In Führung.
Im Kontakt mit Kundinnen und Kunden.
Und trotzdem passiert etwas sehr Menschliches:
Wir betrachten Verhalten zunächst aus unserer eigenen Perspektive.
„Warum sagt der denn nicht einfach, was er will?“
„Warum muss sie immer so viele Fragen stellen?“
„Kann er nicht einmal auf den Punkt kommen?“
„Warum ist sie gleich so empfindlich?“
Vielleicht ist die interessantere Frage:
Was braucht mein Gegenüber gerade, um mich gut verstehen zu können?
Im Workshop habe ich dafür mit einem Persönlichkeitsmodell gearbeitet. Nicht, um Menschen vier Farben zuzuordnen und anschließend zu wissen, „wie jemand ist“.
Sondern um Unterschiede verständlich und sichtbar zu machen.
Ein Modell ist für mich dann hilfreich, wenn es den Blick öffnet und neue Perspektiven ermöglicht.
Die Teilnehmenden begannen schnell, Verhaltensweisen wiederzuerkennen.
Bei anderen. Und auch bei sich selbst.
Und genau darin liegt für mich der Wert:
Ich muss mein Gegenüber nicht vollständig verstehen, um meine Kommunikation bewusster auszurichten.
Ich kann beobachten.
Hinhören.
Nachfragen.
Und meine Ansprache anpassen.
Das bedeutet nicht, mich zu verbiegen.
Es erweitert meine Möglichkeiten.
Verständigung beginnt für mich dort, wo meine eigene Sichtweise nicht mehr die einzigst mögliche ist.
Und manchmal genügt dafür schon eine kleine Frage:
Braucht mein Gegenüber gerade mehr Klarheit, mehr Information, mehr Raum oder mehr Verbindung?
Was beobachtest du bei dir: Welche Art der Kommunikation macht es dir besonders leicht, dich verstanden und gut angesprochen zu fühlen?
Im nächsten Beitrag gehen wir einen Schritt weiter. Denn andere Menschen besser zu verstehen, ist das eine.
Spannend wird es, wenn ich merke:
Mein Gegenüber hat gerade etwas in mir ausgelöst. Was mache ich jetzt damit?

