Ein Workshop ist ein Anfang

EntwicklungsLust in der Praxis · 6/6

Frau vor einem Flipchart mit dem Satz „Prozesse geben Orientierung. Menschen übersetzen sie in Wirkung.“

Sechs Stunden Workshop. Und dann?

Kennst du das auch? Ich erinnere mich an die ein oder andere Fortbildung, aus der ich raus bin und dachte: „Jetzt hab ich’s. Ab morgen läuft alles anders.“

Und sind wir mal ehrlich: Zwei Wochen später hat der Arbeitsalltag oft schon einen ordentlichen Teil der guten Vorsätze wieder eingesammelt.

Auch die Teilnehmenden meines Workshops gehen zurück an ihre Arbeitsplätze.

Das Telefon klingelt wieder.
Patientinnen und Patienten stehen am Empfang.
Termine werden verschoben.
Kolleginnen und Kollegen brauchen Informationen.
Der Arbeitsalltag übernimmt.

Genau hier zeigt sich, was aus einem Workshop wirkt.

In den vergangenen Beiträgen habe ich dich mitgenommen in die Entwicklung und Umsetzung eines Workshops zur souveränen Kommunikation am Empfang.

Wir haben den Auftrag zunächst genauer betrachtet.

Wir haben unterschiedliche Perspektiven und Persönlichkeiten in den Blick genommen.

Die Teilnehmenden haben eigene Reaktionsmuster untersucht, Handlungsspielräume entdeckt und persönliche Ankersätze entwickelt.

Wir haben mit realen Situationen gearbeitet, Sprache überprüft und neue Gesprächswege ausprobiert.

An einem Workshoptag kann viel passieren.

  • Menschen erkennen Zusammenhänge.
  • Sie betrachten eine bekannte Situation plötzlich aus einer anderen Perspektive.
  • Ein Satz löst einen Aha-Moment aus.
  • Etwas wird verständlich, was vorher einfach nur anstrengend war.

Das ist wertvoll. Dann kommt der Arbeitsalltag und haut wieder voll rein.

Und genau dort entscheidet sich, ob aus einem Impuls gelebte Praxis werden kann.

Deshalb war mir bei der Konzeption dieses Workshops von Anfang an wichtig, den Transfer mitzudenken.

Die Teilnehmenden nahmen konkrete Anwendungshilfen mit, die sie im Alltag erproben können:

  • einen persönlichen Ankersatz,
  • neue Formulierungen,
  • einen erweiterten Blick auf herausfordernde Situationen
  • und die Einladung, miteinander im Austausch zu bleiben.

Denn aus einem neuen Gedanken wird noch keine neue Gewohnheit.

Wir dürfen üben, üben, üben.
Beobachten, was funktioniert.
Reflektieren.
Nachjustieren.
Und wieder ausprobieren.

Entwicklung braucht Wiederholung, Erfahrung und manchmal auch einen zweiten Blick.

Und sie braucht Menschen in Organisationen, die Raum dafür geben.

Deshalb endet Personalentwicklung für mich auch nicht bei den Teilnehmenden eines Workshops.

Für mich gehört ein Nachgespräch mit den Verantwortlichen dazu. Sie erhalten die relevanten Inhalte, Ergebnisse und Hinweise für die weitere Arbeit. Denn wenn Entwicklung im Alltag weitergehen soll, müssen auch diejenigen wissen, was unterstützend hilft, die dafür Verantwortung tragen.

Führung kann anschließend z.B. fragen:

Was davon funktioniert bereits?
Wo wird es schwierig?
Was brauchen die Mitarbeitenden noch?
Welche Vereinbarungen sollten wir gemeinsam treffen?
Und wo braucht es weitere Begleitung?

In diesem konkreten Fall war von den Teilnehmenden die Idee gekommen, eine bestehende Messenger-Gruppe zu nutzen, um sich auszutauschen, beispielweise nach einer schwierigen Situation, oder auch, um gemeinsam einen Erfolg zu feiern und hilfreiche Formulierungen weiter zu geben.

Mitarbeitende übernehmen Verantwortung für ihr eigenes Handeln.

Die Organisation trägt Verantwortung für die Bedingungen, unter denen Entwicklung stattfindet.

Beides gehört für mich zusammen.

Vielleicht hat mich deshalb besonders gefreut, was nach dem Workshop passiert ist.

Die Inhalte wurden weitergetragen.
Es entstand Austausch.
Und einige Zeit später kam aus der Organisation die Frage:

Wie können wir daran weiterarbeiten?

Für mich ist das eine der schönsten Rückmeldungen auf einen Workshop.

Sie zeigt mir, dass die gemeinsame Arbeit etwas in Bewegung gebracht hat.

Nach einer vereinbarten Praxisphase schauen wir gemeinsam darauf:

  • Was funktioniert?
  • Was fehlt?
  • Was brauchen die Mitarbeitenden möglicherweise noch?
  • Und welche nächsten Schritte sind für das Unternehmen sinnvoll?

Erst dann entscheidet sich, wie es weitergeht.

Auch das gehört für mich zu guter Entwicklungsarbeit:

wahrnehmen, verstehen, ausprobieren, auswerten – und daraus den nächsten stimmigen Schritt entwickeln.

Es begann mit einer einfachen Anfrage:

„Unsere Mitarbeitenden brauchen ein Kommunikationstraining.“

In meinen Beiträgen hier ist vielleicht deutlich geworden, warum ich mit einer ausführlichen Standortbestimmung beginne und warum ein Workshop für mich weit mehr sein kann als die Vermittlung einiger Kommunikationsmethoden.

Menschen füllen die Prozesse eines Unternehmens jeden Tag mit Leben.

Wenn wir möchten, dass sich in Organisationen nachhaltig etwas verändert, dürfen wir deshalb auch in diejenigen investieren, die diese Veränderung jeden Tag tragen und mitgestalten.

Prozesse geben Orientierung. Menschen übersetzen sie in Wirkung.

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis, die ich aus meinem Tun mitnehme.

Und jetzt interessiert mich deine:

Was braucht es aus deiner Erfahrung, damit Personalentwicklung nach einem Workshop im Arbeitsalltag tatsächlich weiterlebt?